Im August wartete auf 11 blinde und stark sehbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche unserer Blindenfreizeit ein ganz besonderes Abenteuer: ein Nachmittag auf dem Starnberger See – gemeinsam mit engagierten Seglern und freiwilligen Helfern des MRSV Starnberg.

Bevor es aufs Wasser ging, durften unsere Teilnehmer ein kleines Boot ganz in Ruhe mit den Händen ertasten und erkunden.

Wo ist der Mast? Wie fühlt sich das Segel an? Welche Teile gehören zu einem Boot?

Durch das Tasten, Fragen und Erklären entstand Stück für Stück eine Vorstellung von dem Fahrzeug, das sie später über den See tragen sollte.

Dann ging es aufs Wasser: Die Gruppe wurde auf mehrere Segelboote verteilt. Auf jedem Boot begleiteten zwei Segler unsere Teilnehmer. Sie brachten nicht nur ihre Erfahrung mit, sondern vor allem viel Zeit, Geduld und Begeisterung. Mit großem Engagement haben sie ermöglicht, dass auch Menschen mit wenig oder gar keinem Sehvermögen die Faszination des Segelns erleben können.

Und dann hieß es: Leinen los!

Rund eine Stunde waren die Boote auf dem Starnberger See unterwegs. Der Wind im Gesicht, das sanfte Schaukeln des Bootes, das Plätschern des Wassers und die Geräusche der Segel – plötzlich wurde der See auf eine ganz andere Art erfahrbar.

Unsere Teilnehmer durften dabei auch selbst ein wenig mitmachen. Sie konnten ausprobieren, fühlen und erleben, wie sich ein Segelboot bewegt und was beim Segeln passiert. Aus vorsichtiger Neugier wurde schnell Begeisterung. Jeder neue Handgriff, jede Erklärung und jede Bewegung des Bootes machten das Erlebnis ein Stück greifbarer.

Dabei waren unsere Boote bestens begleitet. Motorboote sorgten während der gesamten Fahrt für zusätzliche Sicherheit, sodass alle rundum gut eingebettet und versorgt waren. So konnten unsere Teilnehmer die Zeit auf dem Wasser unbeschwert genießen.

Was diesen Nachmittag aber besonders machte, waren die Menschen, die ihn möglich gemacht haben. Die engagierten Segler des MRSV haben sich mit großer Selbstverständlichkeit auf unsere Gruppe eingelassen. Sie haben nicht gefragt, was aufgrund einer Sehbehinderung vielleicht nicht möglich ist, sondern vielmehr gezeigt, was möglich wird, wenn man gemeinsam nach Lösungen sucht.

Und genau das war an diesem Nachmittag zu spüren: Vertrauen, Mut, Neugier und ganz viel Freude.

Für unsere 11 Kinder und Jugendlichen war es mehr als eine Bootsfahrt. Es war die Erfahrung, etwas Neues auszuprobieren, selbst aktiv zu sein und den Starnberger See auf ganz eigene Weise zu entdecken.

Manchmal braucht es dafür gar nicht viel: ein Boot, den Wind, das Wasser – und Menschen, die bereit sind, eine Tür zu öffnen.

Unser herzlicher Dank gilt dem MRSV Starnberg, den geduldigen Skippern und allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die diesen wunderbaren Nachmittag mit ihrem Einsatz und ihrer Herzlichkeit möglich gemacht haben.

Natalie Kramer, Kindness for Kids